Mitarbeitende und Engagierte des Bildungswerks erzählen, was sie lesen – und was sie daraus lesen. Simone Ihrig arbeitet in der Verwaltung des Bildungszentrums Mosbach. Sie stellt ein Buch vor, das über Geborgenheit nachdenken lässt.
Was ich lese – und was ich daraus lese
Meine Leidenschaft für Bücher entwickelte sich erst richtig,als ichins Erwachsenenalter kam. Das Stöbern in Buchläden, der Duft frisch gedruckterSeiten und die Vielfalt der Themen faszinierten mich damals undtunes bis heute. Wenn ich in ein gutesBuch eintauche, kann ich abschalten und mich ganz in die erzählte Geschichte hineinversetzen.
Vor kurzem hat mir meine Tochter, ebenfalls eine begeisterte Leserin, einen überwältigenden und tief berührenden Roman empfohlen: Im Tal von Tommie Goerz.
Die Geschichte spielt im Jahr 1897, als Anton Rosser geborenwird.Frühverliert er seine Mutter,und sein Vater erweist sich als gnadenlos, hart und lieblos. Noch fast ein Kind, flieht Antonaus der Enge und Isolation des abgelegenenHofes imGebirgstal,nicht zuletzt um seinemkaltherzigen Vater zu entkommen. VollSehnsucht nach Freiheit sucht er seinen Weg in der weiten Welt und erlebt die großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Erarbeitet als Metzgersgehilfe, Flößer und später als Soldat in zwei Weltkriegen – obwohl er stets ein einfacher Mann bleibt. Doch immer wieder zieht es ihn zurück in das Heimatdorf, angetriebenvonder Hoffnung,dort vielleicht sein Glück zu finden. Das Schicksal hat jedoch anderePläne.
Die Lebensgeschichte dieses jungen Mannes hat mich sehr berührt.Zu lesen, wie er versucht, den Zwängen seines lieblosen Vaters zu entkommen, nur umdoch immer wieder zurückzukehren und erneut enttäuscht zu werden,hinterlässt eine starke emotionale Wirkung. Das Buch erinnert mich daran, wie unverzichtbar familiärer Halt ist und welche BedeutungeinOrthat, an dem man willkommen ist und Geborgenheitfindet.
Termine für alle, die es nicht zur Frankfurter Buchmesse geschafft haben