Suchen, finden, treffen, lernen – die Bücherei ein Ort für alle

Rückblick auf den Büchereitag 2026

Rund 140 Teilnehmer*innen aus den Katholischen öffentlichen Büchereien kamen bei der zweitägigen Veranstaltung im Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt zusammen.

In unsicheren und von oftmals schlechten Nachrichten beherrschten Zeiten bekommen Büchereien eine für die Gesellschaft noch viel bedeutsamere Rolle. Sie sind Orte, an denen Austausch und Begegnung stattfinden und die durch ihre Offenheit und niederschwelligen Angebote auch für gelebte Demokratie stehen. Diesen Gedanken verfolgend erwartete die Teilnehmer*innen ein vielfältiges Programm: Vorträge, Workshops, ein gemeinsamer Gottesdienst, kulturelle Veranstaltungen, ein Marktplatz, auf dem man ebenso in die Literatur als auch in die Welt der Büchereimöbel abtauchen sowie sich über das Angebot der Medienstelle für Pastoral und Religionspädagogik als auch der Fachstelle Demokratiebildung informieren konnte. 

Eingangs referierte Gabriele Fachinger zum Thema "Unterhaltungsliteratur - Spiegel unserer Gesellschaft". Dabei wurde festgestellt, dass Unterhaltungsliteratur zwar oft als leichte oder rein zur Ablenkung gedachte Literatur betrachtet wird, aber gleichzeitig eine wichtige kulturelle Funktion erfüllt: Sie spiegelt die Werte, Ängste, Wünsche und Konflikte der Gesellschaft wider, in der sie entsteht. Und gerade weil Unterhaltungsliteratur ein breites Publikum anspricht, zeigt sie besonders deutlich, was Menschen in einer bestimmten Zeit bewegt. 
 
Professor Dr. Ulrich Eith beleuchtete in seinem Vortrag die zunehmend wichtige Frage „Selbstläufer Demokratie? Büchereien, ehrenamtliches Engagement und Partizipation“. Dass diese Bereiche nicht für sich alleinstehen, sondern vielmehr ineinander greifen und sich gegenseitig stärken, wurde deutlich. Pointiert brachte Prof. Dr. Eith auf den Punkt, wie die Demokratie durch den Rechtsruck gefährdet wird und wie jede*r Einzelne*r zum Fortbestand dieses fragilen und darum so kostbaren Systems beitragen kann. Dabei wurde unter anderem die große Bedeutung von Bibliotheken als einem öffentlichen Raum zur Begegnung deutlich und Prof. Dr. Eith führte vor Augen, dass Demokratie im Kleinen anfängt und im Großen wirkt.
 
 
Die vielfältigen Workshops in kleinen Gruppen und guter Atmosphäre veranschaulichten, dass auch in Zeiten der Digitalität das Lesen zum Funktionieren und Gestalten einer offenen, von Aufgeschlossenheit und Emapthie geprägten Gesellschaft beitragen kann. Lesen schafft Perspektive und Zukunft und so ging es etwa um Projekte, die auch geschlechter- und altersspezifische Vorlieben und Tendenzen beim Lesen untersuchen. Dass die sozialen Medien längst Teil der Lebenswirklichkeit von breiten Teilen der Gesellschaft sind und auch beeinflussen was und wie wir lesen, fand genauso Erwähnung wie der kraftvolle Ansatz des Shared Reading, welches gleichzeitig Chancen zu Begegnung und Gedankenaustausch schafft. 
Auch Workshops dazu, wie Büchereien ganz bewusst Raum für Integration und Teilhabe schaffen können sowie die Veränderungen, die sich in den letzten Jahren beim Thema Mitarbeiterführung und Teamarbeit ergeben haben, wurden für und mit den Teilnehmenden in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen aufbereitet.
 
Divers war auch der unterhaltsame Ausklang der beiden Tage, an denen die Anwesenden ein Programm vom Mittelalter bis in die 1940er Jahre geboten bekamen: Dorothée Grütering ließ den ersten Abend mit einer Reise in die Lebenswelt der bis heute faszinierenden Agatha Christie und ihrer kultigen Romanfigur Miss Marpel ausklingen. Mit ihrer Art des fundiert vorgetragenen, mit kleinen Anekdoten gespickten und teilweise ernsten, teilweise schönen und auch mal lustigen Vortags nahm Frau Grütering das Publikum mit in das inzwischen wiederauflebende Genre des Cosy Krimi. Am zweiten Tag gab es einen Programmpunkt, der sich grundlegend von dem ersten unterschied. Im Stil des Mittelalters trug Wilhelm Pfaff die für die althochdeutsche Gesellschaft typischen Balladen und Moritaten, die immer bilden und zum tugendhaften Handeln ermahnen sollten, vor. Er begleitete sich stilecht auf der Drehorgel und sorgte dabei für einen kurzen Sprung in der Zeit.

Die beiden Tagen stellten den unschätzbaren Wert der Arbeit, die Büchereiteams in den Katholischen öffentlichen Büchereien leisten, ins Zentrum und boten Raum für neue Impulse, fachlichen Austausch, Diskussionen und viele inspirierende Gespräche untereinander. Eine gute Gelegenheit, um voneinander zu lernen, neue Ideen mitzunehmen und das Netzwerk weiter zu stärken.