Markus Obert über "Sprung in den Staub"

Mitarbeitende und Engagierte des Bildungswerks erzählen, was sie lesen – und was sie daraus lesen. Markus Obert leitet das Bildungszentrum Waldshut. Er stellt ein Buch vor, das ihm Mut macht. 
 
 

Was ich lese – und was ich daraus lese

 
Markus Obert Bildungszentrum Waldshut
Markus Obert leitet das Bildungszentrum Waldshut
 
 
Auf Wolfgang Beck bin ich gestoßen, weil er mir immer wieder beim Wort zum Sonntag begegnet ist. Ich mochte die Art, wie er sprach: klar, kritisch und doch hoffnungsvoll. Der Titel seines Essays „Sprung in den Staub. Elemente einer risikofreudigen Praxis christlichen Lebens“ hat dann meine Neugier geweckt.
 
Warum also in den Staub springen? Beck blickt zunächst über die Institution Kirche hinaus: auf eine Gesellschaft, die von Optionen überfordert ist, auf die Suche nach Identität, auf die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Ich habe mich darin sehr wiedergefunden – diese Unsicherheit kenne ich, beruflich wie privat. Da ist es eine Bestätigung der eigenen Wahrnehmung, wenn jemand beschreibt, dass es eben nicht nur meine Erfahrung ist, sondern eine Zeitdiagnose.
 
Besonders bewegt hat mich Becks Bild von Kirche als lernender Organisation. Als Leiter eines Bildungszentrums klingt das für mich fast wie eine Einladung: nicht nur Programme zu machen, sondern mit den Menschen zu lernen, die zu uns kommen. Und es passt gut zu seiner Grundidee: Kirche wird zukunftsfähig, wenn sie sich nicht an den eigenen Fortbestand klammert, sondern sich selbstlos als Ressource anbietet – radikal solidarisch, lebensdienlich, ohne Ressentiments.
 
Stark finde ich auch, wie Beck seinen eigenen Weg erzählt. Früher faszinierte ihn die Vorstellung einer Kirche, die Kontrastidentität ist – Salz der Erde. Und heute titelt er sein Buch mit „Sprung in den Staub“: Gott selbst geht in Jesus in den Staub, riskiert, nicht erkannt zu werden. Für Kirche heißt das: nicht distanziert zu glänzen, sondern mitten ins Leben zu gehen, gesellig zu sein, Begegnungen und Diskurse zu wagen – auch wenn unklar ist, was daraus wird.
 
Gerade in einer Zeit der Kirchenkrise und der Entfremdung vieler Menschen vom Glauben wirkt Becks Ansatz für mich überzeugend: christliche Existenz im 21. Jahrhundert bedeutet, sich risikofreudig auf die Unübersichtlichkeit der Gegenwart einzulassen, hybride Glaubenswege zuzulassen und Kommunikation als Beziehungsangebot zu verstehen.
 
Für mich persönlich ist das ein ermutigendes Bild: den Sprung in den Staub wagen, auch wenn es manches aufwirbelt. Ich glaube, dass gerade in der Erwachsenenbildung genau dort Überraschendes ans Licht kommen kann – wenn wir lernen, risikofreudig zu sein.
 
 


Bildung ist Umblättern im Kopf


Der Bildungsherbst 2025 lädt dazu ein, innezuhalten, neue Gedanken zuzulassen und sich von Büchern, Vorträgen und Gesprächen inspirieren zu lassen. Mitarbeitende und Engagierte des Bildungswerks erzählen, was sie lesen – und was sie daraus lesen. Also wie Bildung ihr Leben, Denken, Fühlen, ihr Engagement und ihre Arbeit verändert.  
 

Online dabei sein