Die Anfänge des Bildungswerks liegen bereits in den 50er-Jahren. Doch in den 1960er-Jahren wurde Erwachsenenbildung auch ein wichtiges politisches Thema: In der Nachkriegszeit galt sie als Schlüssel, um Menschen politisch mündig zu machen und zu verhindern, dass sich "die Geschichte wiederholt". Gleichzeitig begannen viele europäische Länder mit umfassenden Bildungsreformen. Erwachsenenbildung bot eine „zweite Chance“ für Menschen, die – etwa durch Krieg oder Armut – als Jugendliche keinen Zugang zu höherer Bildung hatten.
Mit dem Wirtschaftswunder wurden neue Qualifikationen erforderlich. Gleichzeitig haben die 1960er-Jahre einen tiefgreifenden kulturellen und sozialen Wandel angestoßen. Damit einher ging bei vielen Menschen eine Suche nach Orientierung, Sinn und neuen Formen der Selbstverwirklichung. So wurde Erwachsenenbildung auch zum Raum für Diskussion, Reflexion und Persönlichkeitsentwicklung.
Und während der Staat neue Gesetze schuf, Förderprogramme auflegte und Institutionen (wie Volkshochschulen, politische Stiftungen oder die Landeszentrale für politische Bildung) gründete, um offene Erwachsenenbildung zu fördern, sagten kirchliche Akteure: "Das Feld wollen wir nicht allein dem Staat überlassen". Denn das, was man heute "Erwachsenenbildung" nennt, gab es hier schon lange - nah am Leben der Menschen, getragen von Glaube, Gemeinschaft und Verantwortung füreinander.


"Raus aus dem Münster, rauf auf den Platz"
In Freiburg war Alois Stiefvater geistlicher Leiter des Kolpingwerks und des Männerwerks. Er setzte sich energisch dafür ein, dass die kirchliche Bildung ebenso vom Land Baden-Württemberg gefördert blieb wie die staatlicher und kommunaler Träger. "Der Name, das Wort 'Erwachsenenbildung' war damals noch ziemlich neu, die Sache nicht", schreibt er in seinen Erinnerungen. Sein Aufruf war: "Wir müssen … auf dem Markt draußen, außerhalb des Münsters, auf dem großen Weltmünsterplatz - auch einen Stand aufschlagen und den Vorübergehenden sagen: Wir geben euch unsere Antwort. Das sind wir ihnen und uns schuldig.“
Vier Akteure finden sich zusammen und finden eine Struktur für das spätere Bildungswerk
Vier kirchliche Initiativen legten 1961 den Grundstein für eine kirchliche Erwachsenenbildung in der Erzdiözese Freiburg. Ihr Ziel war zunächst pragmatisch: Die finanziellen Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg für offene Erwachsenenbildung sollten koordiniert und gerecht verteilt werden. Doch bald wuchs daraus mehr – ein gemeinsames Dach, unter dem die örtlichen Bildungswerke bei den Kirchengemeinden zusammengefasst und betreut wurden, und eine gemeinsame Haltung. Hinzu kam der zweite Bildungsweg, der Erwachsenen den Weg zu einem Schulabschluss ermöglichte. Dieser Bereich war in der Erzdiözese Freiburg lange Zeit unter dem Dach des Bildungswerks angesiedelt.
Die Gründungsinitiativen
- Männerwerk: Es schuf Räume, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu helfen – besonders wichtig in der Nachkriegszeit, als viele Existenzen neu aufgebaut werden mussten. Durch den Prälaten Alois Stiefvater war das Männerwerk besonders beauftragt, sich um die Strukturen des künftigen Bildungswerks zu kümmern. 1961 erschien in dessen Zeitschrift "richtung" eine erste Beilage des Bildungswerks.
- Kolpingwerke: Sie boten jungen Berufstätigen, Auszubildenden und Studierenden seit rund 100 Jahren Orientierung, Gemeinschaft und Heimat in der Fremde.
- Werkvolk: Eine christliche Arbeiterbewegung, die Glaube aus dem Sonntagsgottesdienst in den Alltag tragen wollte.
- Frauenverbände: Sie boten Orte, an dem Frauen jenseits von Familie und Beruf Gemeinschaft und Bildung erleben konnten.
Nun kam ein Neues: die DiAG
1962 folgte die Gründung der Diözesanarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (DiAG) als Dachverband, um das Wirken der vielen kirchlichen Akteure stärker zu bündeln und zu vernetzen. Das Bildungswerk legte verstärkt seinen Fokus darauf, die Kirchengemeinden selbst für Erwachsenenbildung zu interessieren. Es bot Referenten und Schulungen für die Engagierten vor Ort, diein den Gemeinden eigene Bildungsangebote schufen.
Ehrenamt und Hauptamt eng vernetzt
Über Jahrzehnte hinweg entstand so eine vielfältige kirchliche Erwachsenenbildung, die auf allen Ebenen präsent ist:
- Die örtlichen Bildungswerke gehören zu den Kirchengemeinden und werden ehrenamtlich geleitet.
- Das Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg hat seine Zentrale in Freiburg und 13 Bildungszentren von Konstanz bis Tauberbischofsheim.
- Es ist Mitglied in der DiAG und führt deren Geschäfte.
- Die hauptamtlichen Mitarbeitenden unterstützen die ehrenamtlich Engagierten vor Ort.
Und über allem steht das gelbe „B“ – als Zeichen für Bildung, die zuhört, einlädt und herausfordert.

Unsere Bildung heute: einfach zugänglich und lebensnah

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Bildung ist kein Luxus, sondern Daseinsfürsorge. Sie stärkt den Menschen, hilft ihm, sich selbst zu finden und Verantwortung für sich und die Gesellschaft zu übernehmen. Bildung ist Aufbruch und Neuanfang, damals wie heute. Und wo sie gelingt, ist Beziehung im Spiel: Zuhören, Anteilnahme, Neugier. Das gelbe "B" verspricht eine Haltung, die zuhört, einlädt und herausfordert. Die nicht einfach Antworten liefert, sondern Menschen ermutigt, ihre eigenen zu finden.
