Matthias Dorn über "Reset"
Mitarbeitende und Engagierte des Bildungswerks erzählen, was sie lesen – und was sie daraus lesen. Matthias Dorn engagiert sich in der Katholischen öffentlichen Bücherei Wolfach. Er stellt ein Buch vor, das ihn bezüglich KI sensibilisiert.
Was ich lese – und was ich daraus lese
Die Handlung des Buches - eine künstliche Intelligenz unterwandert die Nachrichtenkanäle und produziert gezielt „Fake News“ - erschien mir nach zwei Wochen Urlaub, in denen man weder Fernsehen noch gedruckte Zeitungen in deutscher Sprache zur Verfügung hatte und auf die Nachrichten zurückgreifen musste, die einem das eigene Handy per Algorithmus im News-Feed darbot, beängstigend aktuell.
Die politischen Akteure der fiktionalen Geschichte hat Grandl mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz, dem deutschen Verteidigungsminister Pistorius und weiteren realen Politikernamen besetzt. Nach der ersten Stunde Hörbuch hat man sich überdies an die Detailverliebtheit was die martialisch klingenden Akronyme für militärische Organisationseinheiten oder neue Task Force-Einheiten zur Terrorabwehr durch eine Künstliche Intelligenz gewöhnt bzw. man lässt Grandl diese technokratische Perspektive durchgehen. Ihren Reiz entwickelt der Plot auch dadurch, dass man im Jahr 2025 schon das eine oder andere technische Detail zur Anwendung von KI in der Kriegsführung mitbekommen hat und so beispielsweise Entwicklungen, dass sich Drohnen plötzlich gegen ihr eigenes Land wenden können, technologisch durchaus plausibel erscheinen. Seinen Charme erhält das Buch mit dem Untertitel „Die Wahrheit stirbt zuerst“ auch durch die Sentimentalität, mit der Grandl an die große Zeit des analogen Zeitungsdrucks erinnert. Dieser Handlungsstrang um eine Gruppe Zeitungs-Rentner bietet dem Leser bzw. dem Hörer ein wenig Entspannung zu den mitunter drastisch geschilderten Terrorakten und ihren Auswirkungen.
Sowohl in meinem Hauptberuf als Lehrer für Informatik und Mathematik als auch im Nebenjob als Journalist für eine Lokalzeitung erscheint mir „Künstliche Intelligenz“ gleichermaßen als Chance und als Bedrohung, die Lektüre von „Reset“ hat meinen Blick für die Risiken der Künstlichen Intelligenz geschärft und den Wert analogen Wissens einmal mehr hervorgehoben.
Bildung ist Umblättern im Kopf
Der Bildungsherbst 2025 lädt dazu ein, innezuhalten, neue Gedanken zuzulassen und sich von Büchern, Vorträgen und Gesprächen inspirieren zu lassen. Mitarbeitende und Engagierte des Bildungswerks erzählen, was sie lesen – und was sie daraus lesen. Also wie Bildung ihr Leben, Denken, Fühlen, ihr Engagement und ihre Arbeit verändert.
