Glaube und Vernunft gehören im Christentum zusammen wie Geschwister. Die große Herausforderung heute ist: Wie können wir über unseren Glauben sprechen, ohne ihn beliebig zu machen – gerade weil jeder Mensch heute so völlig anders lebt und denkt? Wie schaffen wir es, für Außenstehende verständlich zu sein und gleichzeitig mutig bei der Kernbotschaft bleiben, die unserem Leben Halt gibt? Die Frage erkunden wir regelmäßig in der vierteiligen Reihe "Schlüssel gesucht".
„Schlüssel gesucht“: 4 Dienstagabende für Glaubensfragen
Jeder Abend beginnt mit einem prägnanten Kurzreferat von Dr. Pascal Schmitt, dem Referatsleiter für Theologische Weiterbildung im Institut für Pastorale Bildung. Dann suchen wir gemeinsam Fragen, die uns helfen, die großen Themen der heutigen Zeit in der christlichen Theologie „aufzuschließen“, also zu verstehen. Die Teilnehmer schalten sich online dazu – einzeln oder in Gruppen, die sich in den Bildungszentren Mosbach, Singen, Tauberbischofsheim und Waldshut treffen. Kosten pro Reihe: 20 Euro.
Die nächsten Termine
4 Dienstagabende für Glaubensfragen –
eine Teilnehmerin erzählt
Frau Benoit, wie sind Sie zur Veranstaltungsreihe „Schlüssel gesucht“ gekommen?
Gundula Benoit: Ich engagiere mich hier bei uns in Ettlingen in der offenen Erwachsenenbildung der katholischen Kirchengemeinde. Innerhalb unserer Bildungswerke ist es üblich, dass man sich gegenseitig über neue Bildungsangebote informiert. Außerdem hatte ich bereits am theologischen Kurs teilgenommen, den das Institut für Pastorale Bildung aus Freiburg anbietet. So bin ich gleich über zwei Wege aufmerksam geworden. Mich hat die Frage gleich sehr interessiert, wie bestimmte Schlüsselbegriffe der Theologie und Philosophie mit gesellschaftlichen Fragen verbunden sind. Das ist eine weite, spannende Perspektive. Außerdem wurde durch die Ausschreibung deutlich, dass es über die Vorträge des Referenten hinaus immer auch einen Austausch zwischen den Teilnehmenden gibt. Das wurde dann auch wunderschön praktiziert.

Gibt es einen Schlüsselbegriff, der Ihnen besonders wichtig ist?
Gundula Benoit: Eigentlich kein einzelner. Ich finde die Mischung aus philosophischen, theologischen und bibelbezogen Begriffen faszinierend. Zum Beispiel: Was verstehen wir unter ‚Wahrheit‘, ‚Freiheit‘, ‚Gesellschaft‘, ‚Dreifaltigkeit‘, ‚Erlösung‘ oder ‚Allmacht‘? Der Referent Dr. Pascal Schmitt und Ulrich Neubert, der das Bildungszentrum Mosbach leitet, überlegen sich für jede "Schlüssel-gesucht"-Reihe Kernbegriffe, über die die Teilnehmenden ins Gespräch kommen.
Was haben Sie über die anderen Teilnehmenden erfahren?
Gundula Benoit: Man kommt in jeder "Schlüssel-gesucht"-Veranstaltung in einer Kleingruppe mit Menschen zusammen, denen man im normalen Leben, auf der Straße nicht unbedingt begegnen würde. In unseren Austauschrunden erfahre ich jedoch , was sie unter ‚Wahrheit‘ verstehen oder was ihnen zum Thema ‚Bibel‘ durch den Kopf geht. Auch, wenn es sehr unterschiedliche Menschen sind, hatte ich immer das Gefühl, das sie aus ähnlichen Gründen kommen, dass eine ähnliche Motivation sie leitet: Weil sie sich für den offenen Austausch interessieren, sich selbst in Frage stellen wollen durch Begegnung mit anderen – und vor allem: Weil sie Hintergrund und Worte für ihren Glauben finden wollen. Ich denke an das große Petruswort: ‚Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt‘ (1Petr3,15). Für mich bedeutet dies: mein Glaube und die Vernunft sind geschwisterlich verbunden. Jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer entscheidet für sich selbst, in welcher gedanklichen Tiefe sie oder er die Schlüsselbegriffe untersuchen möchte und was sie oder er für sich herauszieht. Ich kann für mich sagen, dass ich den Initiatoren der Reihe sehr dankbar bin, dass die Schlüssel-gesucht-Reihe weitergeht. Sie ist meines Erachtens ein wertvoller Bestandteil unserer Bildungswerkslandschaft.
Sie nehmen bald zum fünften Mal teil – online, von zu Hause aus. Wie funktioniert das für Sie als 80-Jährige?
Gundula Benoit: Für mich ist es ein großer Vorteil, dass ich mich online zuschalten kann. Einige Teilnehmende treffen sich "live" in Mosbach, Singen, Waldshut oder Tauberbischofsheim, es ist ja ein Hybrid-Format. Ich kann vergnügt in Ettlingen an meinem Küchentisch sitzen.
Wie passt das Format von "Schlüssel gesucht" zu Ihren bisherigen Erfahrungen und Ihrem Engagement?
Gundula Benoit: Ich bin aktive Kirchenbesucherin, evangelisch, und bin Zeit meines Lebens neben der Kirchengemeinde in der Frauenarbeit und Ökumene aktiv. Früher war ich als Pädagogin die einzige Hauptamtliche in einem konfessionellen Berufsverband für sozialpädagogische Fachkräfte. Da war ich für alles zuständig – Verwaltung, Vernetzung, inhaltliche Auseinandersetzung, eine anregende Mischung. Und als ich in Rente ging, kam ein Grundbedürfnis auf, mich nun wieder stärker mit theologischen Fragen zu befassen. Auch habe ich die Lectio Divina für mich entdeckt, eine Bibellektüre, bei der man intensiver als zum Beispiel beim "Bibelteilen" Bibelabschnitte liest und mit dem eigenen Leben in der Gesellschaft verknüpft. Das verbindet sich wunderbar mit dem Angebot von Schlüssel gesucht.
